Value-Aktien finden & kaufen: niedriges KGV + hoher Gewinn

Wenn man von Value-Aktien spricht, meint man in der Regel unterbewertete Aktien, die noch nicht das volle Potential im Aktienkurs abbilden und in Zukunft eine positive Entwicklung nehmen könnten.

Studien haben immer wieder gezeigt, dass Value-Aktien langfristig besser abschneiden als Wachstumsaktien und der Markt insgesamt.

Wie finden wir Value Aktien?

Es gibt mehrere Faktoren, die man zum Finden von Value Aktien verwenden kann.

Es geht darum Unternehmen zu finden, die im Vergleich zu ihrem eigentlichen Wert günstig gehandelt werden.

Value-Investoren glauben nicht an die Hypothese der effizienten Märkte, die besagt, dass die Aktienkurse bereits alle Informationen über ein Unternehmen berücksichtigen, so dass ihr Preis immer ihren Wert widerspiegelt. Stattdessen glauben Value-Investoren, dass Aktien über- oder unterbewertet sein können. Die Gründe dafür sind vielzählig.

So kann eine Aktie beispielsweise unterbewertet sein, weil die Wirtschaft schlecht läuft und die Anleger in Panik geraten und verkaufen.

Oder eine Aktie ist überbewertet, weil sich die Anleger zu sehr für eine neue, noch nicht erprobte Technologie begeistern (Hype).

Psychologische Verzerrungen können einen Aktienkurs aufgrund von Nachrichten wie enttäuschenden oder unerwarteten Gewinnmeldungen, Produktrückrufen oder Rechtsstreitigkeiten nach oben oder unten treiben.

Aktien können auch deshalb unterbewertet sein, weil sie unter dem Radar gehandelt werden, d. h. von Analysten und Medien nur unzureichend berücksichtigt werden.

Wenn alle über eine Aktie sprechen, kauf sie auf keinen Fall!

Value-Investoren folgen nicht der Herde. Wenn alle anderen kaufen, verkaufen sie oder halten sich zurück. Wenn alle anderen verkaufen, kaufen sie oder halten sie.

Value-Investoren kaufen keine Trendaktien, weil diese in der Regel überbewertet sind. Stattdessen investieren sie in Unternehmen, die keine bekannten Namen sind, wenn die Finanzkennzahlen stimmen.

Sie werfen auch einen zweiten Blick auf bekannte Aktien, wenn deren Kurse eingebrochen sind, weil sie der Meinung sind, dass sich solche Unternehmen von Rückschlägen erholen können, wenn ihre Fundamentaldaten weiterhin stark sind und ihre Produkte und Dienstleistungen nach wie vor Qualität aufweisen.

Value-Investoren interessieren sich nur für den inneren Wert einer Aktie. Sie denken beim Kauf einer Aktie, dass es eine prozentuale Beteiligung an einem Unternehmen ist. Sie wollen Unternehmen besitzen, von denen sie wissen, dass sie solide Prinzipien und solide Finanzen haben. Das schließt zum Beispiel Aktien wie Nestlé (Ausbeutung) oder Mac Donalds (ungesundes Essen) oder Tabak-Konzerne (Gesundheitsschädlich) und Öl-Konzerne (Umweltschädlich) aus. Diese Unternehmen machen vielleicht im Moment noch gute Gewinne auf Kosten anderer, doch früher oder später wird sich das rächen. Und dann will man auf der moralisch und finanziell richtigen Seite stehen.

Auf richtige Gelegenheit warten

Die bekannten Value-Investment-Gurus Warren Buffett und Peter Lynch sind beide dafür bekannt, dass sie Finanzberichte analysieren und Bewertungsmultiplikatoren betrachten, um festzustellen, in welchen Fällen der Markt Aktien falsch bewertet hat.

Trotz unterschiedlicher Ansätze besteht die zugrunde liegende Logik des Value-Investing darin, Vermögenswerte zu einem Preis zu erwerben, der unter ihrem aktuellen Wert liegt, sie langfristig zu halten und zu profitieren, wenn sie wieder ihren inneren Wert oder einen höheren Wert erreichen.

Wie bei allen Anlagestrategien müssen wir Geduld und Sorgfalt aufbringen. Es gibt Aktien, die wir vielleicht kaufen möchten, weil die Fundamentaldaten solide sind, aber wir müssen warten, wenn sie überbewertet sind. Wenn keine Aktie unsere Kriterien erfüllt, müssen wir abwarten und unser Geld liegen lassen, bis sich eine Gelegenheit ergibt.

Darum gibt es Value Aktien!

Hier sind einige Faktoren, die den Kurs einer Aktie nach unten ziehen und sie unterbewertet machen können.

Marktbewegungen und Herdenmentalität

Manchmal investieren Menschen irrational aufgrund von psychologischen Vorurteilen und nicht aufgrund von Marktgrundlagen. Wenn der Kurs einer bestimmten Aktie steigt oder wenn der Markt insgesamt steigt, kaufen sie.

Kursgewinne der Vergangenheit sorgen dafür, dass viele Angst haben, etwas zu verpassen.

Umgekehrt zwingt die Verlustaversion die Menschen dazu, ihre Aktien zu verkaufen, wenn der Kurs einer Aktie fällt.

Anstatt darauf zu warten, dass der Markt eine andere Richtung einschlägt, nehmen sie durch den Verkauf einen gewissen Verlust in Kauf. Dieses Anlegerverhalten ist so weit verbreitet, dass es sich auf die Kurse einzelner Aktien auswirkt und sowohl Aufwärts- als auch Abwärtsbewegungen des Marktes verstärkt und zu übermäßigen Bewegungen führt.

Marktabstürze

Wenn der Markt einen unglaublichen Höchststand erreicht, führt dies in der Regel zu einer Blase. Da die Höchststände jedoch nicht haltbar sind, geraten die Anleger in Panik, was zu einem massiven Ausverkauf führt. Dies führt zu einem Marktzusammenbruch.

So geschah es Anfang der 2000er Jahre mit der Dotcom-Blase, als die Werte der Tech-Aktien über den eigentlichen Wert der Unternehmen hinaus in die Höhe schossen. Dasselbe geschah, als Mitte der 2000er Jahre die Immobilienblase platzte und der Markt zusammenbrach.

Unbeachtete und unrühmliche Aktien

Wir schauen über das hinaus, was wir in den Nachrichten hören. Vielleicht finden wir wirklich großartige Anlagemöglichkeiten in unterbewerteten Aktien, die nicht auf dem Radar der Leute sind, wie z. B. Nebenwerte oder sogar ausländische Aktien.

Die meisten Anleger wollen in das nächste große Ding einsteigen, z. B. in ein Technologie-Startup, und nicht in einen langweiligen, etablierten Hersteller langlebiger Konsumgüter.

So sind boomende Tech-Aktien wie Facebook, Apple und Google eher von der Herdenmentalität betroffen als traditionelle Mischkonzerne wie Proctor & Gamble oder Johnson & Johnson.

Sind schlechte Nachrichten wirklich so schlimm?

Auch gute Unternehmen haben mit Rückschlägen zu kämpfen, z. B. mit Rechtsstreitigkeiten und Rückrufaktionen. Doch nur weil ein Unternehmen ein negatives Ereignis erlebt, heißt das nicht, dass das Unternehmen nicht grundsätzlich wertvoll ist oder dass sich seine Aktien nicht wieder erholen werden.

Bestes Beispiel dafür ist der Diesel-Skandal von VW gewesen. Der Kurs der Volkswagen-Aktie bracht über Nacht komplett ein. VW hatte Milliarden-Strafen zu befürchten. Allerdings ist das für das profitabelste aller deutschen Unternehmen nur ein Kratzer im Lack, der schnell auspoliert werden konnte.

In anderen Fällen gibt es vielleicht ein Segment oder einen Geschäftsbereich, der die Rentabilität eines Unternehmens eindellt. Das kann sich jedoch ändern, wenn das Unternehmen beschließt, diesen Geschäftsbereich zu veräußern oder zu schließen.

Analysten sind nicht besonders gut darin, die Zukunft vorherzusagen. Im Prinzip sind die Vorhersagen für steigende oder fallende Kurse reines Glücksspiel und die meisten Analysten liegen öfter falsch als richtig.

Dennoch geraten Anleger oft in Panik und verkaufen, wenn ein Unternehmen Gewinne bekannt gibt, die unter den Erwartungen der Analysten liegen.

Value-Investoren, die über die Herabstufungen und negativen Nachrichten hinausblicken, können jedoch Aktien zu niedrigeren Preisen kaufen, weil sie den langfristigen Wert eines Unternehmens erkennen können.

Zyklizität

Unter Zyklizität versteht man die saisonalen Schwankungen, die ein Unternehmen beeinflussen. Ein Zyklus kann sich auf die Gewinnhöhe und den kurzfristigen Aktienkurs eines Unternehmens auswirken, hat aber keinen Einfluss auf den langfristigen Unternehmenswert.

Value-Aktien-Strategie

Der Schlüssel zum Kauf einer unterbewerteten Aktie liegt darin, das Unternehmen gründlich zu recherchieren und Entscheidungen mit gesundem Menschenverstand zu treffen.

Der Value-Investor Christopher H. Browne empfiehlt, sich zu fragen, ob ein Unternehmen seine Einnahmen durch die folgenden Methoden steigern kann:

  • Anhebung der Produktpreise
  • Erhöhung der Verkaufszahlen
  • Senkung der Ausgaben
  • Verkauf oder Schließung unrentabler Geschäftsbereiche

Browne schlägt auch vor, die Konkurrenten eines Unternehmens zu studieren, um seine künftigen Wachstumsaussichten zu bewerten.

Investiere nur in Branchen, in denen man persönlich gearbeitet hat oder mit deren Konsumgütern man vertraut ist, wie Autos, Kleidung, Haushaltsgeräte und Lebensmittel.

Warren Buffett

Eine Sache, die Anleger tun können, ist, Aktien von Unternehmen zu wählen, die Produkte und Dienstleistungen mit hoher Nachfrage verkaufen. Zwar lässt sich nur schwer vorhersagen, wann innovative neue Produkte Marktanteile erobern werden, aber es ist leicht abzuschätzen, wie lange ein Unternehmen bereits im Geschäft ist und wie es sich im Laufe der Zeit an Herausforderungen angepasst hat. Deswegen liebt Warren Buffett Coca Cola. Und wir sollten es auch tun, auch wenn uns spaßverderbende bessere Hälften aufgrund des sinnlos hohen Zuckergehalts für geisteskrank halten. Immerhin hat Coca Cola dazu gelernt und den Zuckeranteil an seiner Zitronenlimo Sprite stark gesenkt sowie Coca Cola Zero und Light als Alternativen für Fettleibige oder die, die es nicht werden wollen, angeboten. Nenne mir eine andere Getränke-Marke, die es überall auf der Welt gibt und die jeder zweite täglich konsumiert? Wird sich das in naher Zukunft ändern, wenn nicht mal Fußball-Gott Cristiano Ronaldo ein erfolgreicher Boykott gegen den Brausehersteller gelingt? Normal nicht.

Käufe und Verkäufe von Insidern

Insider sind die leitenden Angestellten des Unternehmens sowie alle Aktionäre, die mindestens 10 % der Aktien des Unternehmens besitzen. Sie verfügen über ein einzigartiges Wissen über die Unternehmen, die sie leiten. Wenn sie also Aktien des Unternehmens kaufen, kann man davon ausgehen, dass die Aussichten des Unternehmens günstig sind. Ebenso hätten Anleger, die mindestens 10 % der Aktien eines Unternehmens besitzen, nicht so viel gekauft, wenn sie kein Gewinnpotenzial sähen.

Umgekehrt deutet der Verkauf von Aktien durch einen Insider nicht unbedingt auf schlechte Nachrichten über die zu erwartende Leistung des Unternehmens hin – der Insider könnte einfach aus einer Vielzahl persönlicher Gründe Bargeld benötigen. Wenn es jedoch zu Massenverkäufen durch Insider kommt, kann eine solche Situation eine eingehendere Analyse des Grundes für den Verkauf rechtfertigen.

Wir haben hier bereits ausführlich die Insider-Strategie vorgestellt…

Gewinnberichte

In den Finanzberichten werden die jährlichen und vierteljährlichen Leistungsergebnisse eines Unternehmens dargestellt. Aus dem Jahresbericht eines Unternehmens können wir eine Menge lernen. Er gibt Aufschluss über die angebotenen Produkte und Dienstleistungen sowie über die künftige Entwicklung des Unternehmens.

Finanzberichte

Die Bilanz eines Unternehmens vermittelt ein umfassendes Bild der finanziellen Lage des Unternehmens. Die Bilanz besteht aus zwei Teilen, einem, in dem die Vermögenswerte des Unternehmens aufgeführt sind, und einem, in dem die Verbindlichkeiten und das Eigenkapital aufgeführt sind. Die Aktiva sind untergliedert in liquide Mittel, Investitionen, Forderungen an Kunden, Vorräte und Anlagevermögen wie Anlagen und Ausrüstungen.

Die Passiva umfassen die Verbindlichkeiten des Unternehmens, die Rückstellungen, die kurzfristigen und die langfristigen Verbindlichkeiten.

Der Abschnitt Eigenkapital gibt Aufschluss darüber, wie viel Geld in das Unternehmen investiert ist, wie viele Aktien im Umlauf sind und wie viel das Unternehmen an einbehaltenen Gewinnen hat.

Gewinnrücklagen sind eine Art Sparkonto, auf dem die kumulierten Gewinne des Unternehmens liegen. Einbehaltene Gewinne werden z. B. zur Zahlung von Dividenden verwendet und gelten als Zeichen für ein gesundes, rentables Unternehmen.

Die Gewinn- und Verlustrechnung gibt Aufschluss über die Höhe der Einnahmen, die Ausgaben und den Gewinn des Unternehmens.

Ein Blick auf die jährliche Gewinn- und Verlustrechnung anstelle einer vierteljährlichen gibt Ihnen einen besseren Überblick über die Gesamtlage des Unternehmens, da viele Unternehmen im Laufe des Jahres Schwankungen im Umsatzvolumen verzeichnen.

Couch-Potato Value-Investing

Es ist möglich, ein Value-Investor zu werden, ohne sich mit Daten zu beschäftigen. Beim Couch-Potato-Investing handelt es sich um eine passive Strategie, bei der man einige wenige Anlageinstrumente kauft und hält, für die bereits jemand anderes die Anlageanalyse durchgeführt hat – z. B. Investmentfonds oder börsengehandelte Fonds.

Im Falle von Value-Investitionen wären das Fonds, die der Value-Strategie folgen und Value-Aktien kaufen – oder die die Bewegungen von bekannten Value-Investoren wie Warren Buffett verfolgen. Anleger können Aktien seiner Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway kaufen, die Dutzende von Unternehmen besitzt oder an ihnen beteiligt ist, die das Orakel von Omaha untersucht und bewertet hat.

Eine noch einfachere Variante ist ein Investment in einen ETF, der verschiedene Branchen abbildet. So ist der MSCI World in den letzten Jahren das Maß aller Dinge gewesen und so gut wie kein Investor hat es geschafft eine bessere Rendite zu erzielen.

Privatanleger sind deswegen gut beraten sich nicht einzubilden, sie würden mit dem „Einzelaktien-Picking“ mehr Erfolg haben als der MSCI World.

Ein ETF-Sparplan ist meist profitabler als das Kaufen von Einzelaktien und spart zu dem sehr viel Zeit.

Fundamentale Kennzahlen

Deshalb hier drei der besten Kennzahlen, die Sie bei Ihrer Suche nach versteckten Value-Aktien im Gepäck haben sollten:

  • KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis: Je niedriger, desto besser)
  • PEG-Verhältnis (Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis, je höher desto besser)
  • KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis: Je niedriger, desto besser)
  • Freier Cashflow
  • Gewinn pro Aktie (je höher, desto besser)
  • RSI (Relative Strength Index: Je niedriger, desto besser weil Kurs zuletzt gefallen ist

Mit Hilfe dieser drei Kriterien suchen wir Value Aktien.

KGV – Kurs-Gewinn-Verhältnis

Idealerweise sollte eine Value Aktie in unserer Strategie ein KGV von unter 10 haben. Das bedeutet, dass der Aktienkurs des Unternehmens maximal 10 Mal so hoch ist wie der Gewinn pro Aktie.

PEG – Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis

Das PEG-Verhältnis sorgt dafür, Unternehmen zu vergleichen, die in unterschiedlicher Geschwindigkeit wachsen. Wenn wir das KGV eines Unternehmens durch seine jährliche Gewinnwachstumsrate teilen, erhalten wir einen Vergleich zwischen verschiedenen Unternehmen.

KBV – Kurs-Buchwert-Verhältnis

Der Buchwert ist der Wert, der theoretisch übrig bliebe, wenn ein Unternehmen seinen Betrieb einstellen und alle seine Vermögenswerte verkaufen würde. Der Buchwert eines Unternehmens umfasst Kapital, Immobilien und alle anderen wertvollen Besitztümer eines Unternehmens. Der Aktienkurs im Verhältnis zum Buchwert gibt Aufschluss darüber, ob ein Unternehmen entsprechend bewertet ist oder ob noch Luft nach oben ist. Viele Value-Investoren suchen gezielt nach Gelegenheiten, Aktien zu kaufen, die für weniger als ihren Buchwert gehandelt werden.

Freier Cashflow

Der freie Cashflow ist das Geld, das nach Begleichung der Ausgaben verbleibt. Wenn ein Unternehmen einen freien Cashflow erwirtschaftet, hat es Geld übrig, um in die Zukunft des Unternehmens zu investieren, Schulden zu tilgen, Dividenden oder Prämien an die Aktionäre zu zahlen und Aktienrückkäufe zu tätigen.

Gewinn pro Aktie

Der Gewinn pro Aktie wird berechnet, in dem man den Jahresgewinn des Unternehmens nimmt und durch die Anzahl der Aktien teilt, die im Umlauf sind.

Kann ein Unternehmen den Gewinn pro Aktie steigern und der Aktienkurs ist noch nicht entsprechend gestiegen, ist das eine potentielle Einstiegsgelegenheit.

RSI – Relative Strength Index

Der RSI gibt an, wie sich der Aktienkurs in den letzten Tagen entwickelt hat. Hier gibt es zwei besondere Punkte:

  • RSI unter 30: Die Aktie ist unterkauft und ein Anstieg könnte sich anbahnen
  • RSI über 70: Die Aktie ist überkauft und der Kurs könnte in den nächsten Tagen fallen.

Natürlich gibt es noch viele andere Kennzahlen, die in die Analyse einfließen, wie z. B. die Analyse von Schulden, Eigenkapital, Umsatz und Ertragswachstum.

Nach Prüfung dieser Kennzahlen kann der Value-Investor entscheiden, Aktien zu kaufen, wenn der Vergleichswert – der aktuelle Aktienkurs im Vergleich zum inneren Wert des Unternehmens – attraktiv genug ist.

Sicherheitsabstand (Saftey Margin)

Value-Investoren benötigen einen gewissen Spielraum für Fehler bei ihrer Einschätzung des Wertes und legen oft ihre eigene „Sicherheitsmarge“ fest, die auf ihrer besonderen Risikotoleranz basiert.

Die Sicherheitsspanne verringert die Wahrscheinlichkeit, dass wir Geld verlieren, wenn sich die Aktie nicht so entwickelt, wie wir es erwartet haben.

Wenn eine Aktie 100 $ wert ist und wir sie für 66 $ kaufen, machen wir einen Gewinn von 34 $, indem wir einfach abwarten, bis der Kurs der Aktie auf den wahren Wert von 100 $ steigt. Darüber hinaus könnte das Unternehmen wachsen und wertvoller werden, was uns die Chance gibt, noch mehr Geld zu verdienen.

Benjamin Graham, der Vater des Value-Investing, kaufte Aktien nur, wenn sie zu zwei Dritteln oder weniger ihres inneren Wertes gehandelt wurden.

Dies war die Sicherheitsspanne, die seiner Meinung nach notwendig war, um die besten Renditen zu erzielen und gleichzeitig die Risiken zu minimieren.

Risiken beim Value Investing

Wie bei jeder Anlagestrategie besteht auch beim Value Investing das Risiko von Verlusten, obwohl es sich um eine Strategie mit geringem bis mittlerem Risiko handelt. Im Folgenden stellen wir einige dieser Risiken vor und erläutern, warum Verluste auftreten können.

Außergewöhnliche Gewinne oder Verluste

Es gibt einige Ereignisse, die in der Gewinn- und Verlustrechnung eines Unternehmens auftauchen können und die als Ausnahmen oder außerordentlich betrachtet werden sollten. Diese liegen im Allgemeinen außerhalb der Kontrolle des Unternehmens und werden als außerordentliche Gewinne oder Verluste bezeichnet. Einige Beispiele hierfür sind Rechtsstreitigkeiten, Umstrukturierungen oder sogar Naturkatastrophen. Wenn wir diese aus Ihrer Analyse ausschließen, können wir wahrscheinlich einen Eindruck von der künftigen Leistung des Unternehmens gewinnen.

Aktuelles Beispiel: Die BioNTech Aktie. Natürlich hat Biontech von der Corona-Pandemie massiv profitiert und wir das mit seinem Impfstoff auch noch die nächsten Monate tun. Allerdings ist früher oder später jeder Mensch drei bis fünfmal geimpft und die Konkurrenz wächst. Nach der Pandemie muss Biontech sein Geld wieder mit anderen Produkten verdienen. Die Finanzspritze durch die Corona-Spritzen kann das Unternehmen vielleicht nutzen, um andere Medikamente zu entwickeln. Ob das auch getan wird und ob diese dann ähnlich profitabel sind, steht in den Sternen. Man könnte also davon ausgehen, dass Biontechs Höhepunkt längst erreicht ist und das Unternehmen in den nächsten Jahren geringere Einnahmen generieren wird. Damit sinkt dann auch der Aktienkurs wieder.

Erinnern Sie sich daran, dass eines der Grundprinzipien des Value-Investing darin besteht, eine Sicherheitsmarge in alle Ihre Investitionen einzubauen. Das bedeutet, dass Sie Aktien zu einem Preis kaufen, der etwa zwei Drittel oder weniger ihres inneren Wertes beträgt.

Value-Investoren wollen so wenig Kapital wie möglich in potenziell überbewerteten Anlagen riskieren, weshalb sie versuchen, nicht zu viel für Anlagen zu bezahlen.

Wenn man das Gefühl hat, dass eine Aktie zu teuer ist (wie z.B. Tesla), dann sollte man auf diesen Trend verzichten, obwohl es durchaus möglich ist, dass die Aktie noch viel mehr wert wird.

Diversifizierung ja oder nein?

Die herkömmliche Anlageweisheit besagt, dass die Investition in einzelne Aktien eine risikoreiche Strategie sein kann. Stattdessen wird uns beigebracht, in mehrere Aktien oder Aktienindizes zu investieren, damit wir ein breites Spektrum an Unternehmen und Wirtschaftssektoren abdecken können.

Einige Value-Investoren sind jedoch der Meinung, dass man ein diversifiziertes Portfolio auch dann haben kann, wenn man nur eine kleine Anzahl von Aktien besitzt, solange man Aktien aus verschiedenen Branchen und Wirtschaftssektoren auswählt.

Der Value-Investor und Vermögensverwalter Christopher H. Browne empfiehlt in seinem „Little Book of Value Investing“ den Besitz von mindestens 10 Aktien.

Laut Benjamin Graham sollte man 10 bis 30 Aktien auswählen.

Eine andere Gruppe von Experten ist jedoch anderer Meinung. Wenn Sie hohe Renditen erzielen wollen, sollten Sie nur wenige Aktien auswählen, so die Autoren der zweiten Ausgabe von „Value Investing for Dummies“.

Je mehr Aktien in einem Portfolio sind, desto wahrscheinlicher führt es zu einer durchschnittlichen Rendite.

All-in ist selten eine gute Strategie. Aber mit 10 guten Aktien erreicht man wahrscheinlich eines bessere Performance als mit 30.

Natürlich setzt das voraus, dass man gut darin sind, Gewinner auszuwählen, was Anfänger in der Regel nicht sind.

Beispiel einer Value-Aktie

Value-Investoren versuchen, von en Überreaktionen des Marktes zu profitieren, die in der Regel mit der Veröffentlichung eines Quartalsberichts einhergehen.

Ein reales Beispiel aus der Vergangenheit: Am 4. Mai 2016 veröffentlichte Fitbit seinen Ergebnisbericht für das erste Quartal 2016 und verzeichnete im nachbörslichen Handel einen starken Rückgang.

Nachdem die Aufregung vorbei war, verlor das Unternehmen fast 19 % seines Wertes. Während jedoch starke Kursrückgänge nach der Veröffentlichung eines Gewinnberichts nicht ungewöhnlich sind, erfüllte Fitbit nicht nur die Erwartungen der Analysten für das Quartal, sondern erhöhte sogar die Prognosen für 2016.

Das Unternehmen erwirtschaftete im ersten Quartal 2016 einen Umsatz von 505,4 Millionen US-Dollar, was einem Anstieg von mehr als 50 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Darüber hinaus erwartet Fitbit für das zweite Quartal 2016 einen Umsatz zwischen 565 und 585 Millionen US-Dollar, was über den von Analysten prognostizierten 531 Millionen US-Dollar liegt.

Das Unternehmen scheint stark zu sein und zu wachsen. Da Fitbit im ersten Quartal des Jahres jedoch stark in Forschungs- und Entwicklungskosten investiert hat, ist der Gewinn pro Aktie (EPS) im Vergleich zum Vorjahr gesunken.

Das war alles, was durchschnittliche Investoren brauchten, um sich auf Fitbit zu stürzen und genug Aktien zu verkaufen, um den Kurs fallen zu lassen. Ein Value-Investor betrachtet jedoch die Fundamentaldaten von Fitbit und erkennt, dass es sich um ein unterbewertetes Wertpapier handelt, das in der Zukunft möglicherweise steigen wird.

Die Quintessenz

Value-Investing ist eine langfristige Strategie. Warren Buffett zum Beispiel kauft Aktien mit der Absicht, sie fast unbegrenzt zu halten. Er sagte einmal:

„Ich versuche nie, am Aktienmarkt Geld zu verdienen. Ich kaufe in der Annahme, dass der Markt am nächsten Tag geschlossen und erst in fünf Jahren wieder geöffnet werden könnte. Wahrscheinlich werden Sie Ihre Aktien verkaufen wollen, wenn es an der Zeit ist, eine größere Anschaffung zu tätigen oder in den Ruhestand zu gehen, aber wenn Sie eine Vielzahl von Aktien halten und eine langfristige Perspektive haben, können Sie Ihre Aktien erst dann verkaufen, wenn ihr Preis ihren fairen Marktwert (und den Preis, den Sie für sie bezahlt haben) übersteigt.“

Warren Buffet