EMA-Strategie – 3.848 € nach einem Tag mit Exponential Moving Average

Mit der EMA200-Strategie nutzten wir den Indikator Exponential Moving Average im 200-Tages-Verlauf. Die gleitende Durchschnittslinie des EMA200 signalisiert den Trend und in Kombination mit dem Kursverlauf kaufen wir Aktien. Wie die EMA200-Strategie funktioniert, erklären wir im Folgenden.

Was ist das Exponential Moving Average (EMA)?

Der exponentielle gleitende Durchschnitt (EMA) ist ein technischer Chart-Indikator, der den Kurs einer Anlage (z. B. einer Aktie oder eines Rohstoffs) im Zeitverlauf verfolgt. Der EMA ist eine Art gewichteter gleitender Durchschnitt (WMA), der den jüngsten Kursdaten mehr Gewicht oder Bedeutung beimisst. Der EMA wird verwendet, um Preistrends im Zeitverlauf zu erkennen.

Der Exponentielle gleitende Durchschnitte (EMAs) wurden entwickelt, um Preistrends über bestimmte Zeiträume, wie 50 oder 200 Tage, zu erkennen.

Der EMA ist eine Weiterentwicklung des Simple Moving Average (einfacher gleitender Durchschnitt), der den jüngsten Kursdaten mehr Gewicht verleiht, da diese als relevanter angesehen werden als ältere Daten. Da neue Daten ein größeres Gewicht haben, reagiert der EMA schneller auf Kursänderungen als der SMA.

Verwendung des EMA: Bänder des gleitenden Durchschnitts

Chart-Analysten verlassen sich auf gleitende Durchschnitte, um Wendepunkte, Fortsetzungen und überkaufte/überverkaufte Zustände zu erkennen, um Bereiche der Unterstützung und des Widerstands zu definieren und um die Stärke von Preistrends zu messen.

EMA-Strategie

Es gibt verschiedene Ansätze, bei denen man das Exponential Moving Average (EMA) nutzt.

Trader suchen nach Kaufsignalen, wenn kürzerfristige gleitende Durchschnitte (z.B. EMA20 oder EMA50) von unten über die längerfristigen gleitenden Durchschnitte (EMA100 oder EMA200) kreuzen.

Bei meiner EMA200-Strategie halte ich es noch einfacher.

EMA200-Strategie

Ich bin auf der Suche nach einer einfachen Strategie, die nicht viel Zeit in Anspruch nimmt.

Hier muss nur der Aktienkurs unterhalb der EMA200-Linie sein und der allgemeine EMA200-Trend steigend sein.

Das zeigt mir, dass eine eigentlich gute Aktie einen Rücksetzer erlebt hat, was eine gute Möglichkeit ist einzusteigen, da sich der längerfristige Trend nach wie vor in die positive Richtung entwickelt.

Diese EMA200-Strategie ist meine persönliche Variante einer Trendfolge-Strategie. Hierbei geht es darum nach einem Rücksetzer einzusteigen und von einem langfristig positiven Trend der Aktie zu profitieren.

Für unsere EMA200-Strategie brauchen wir als einzigen Indikator das Exponential Moving Average mit im Tagesintervall (1D) auf die letzten 200 Tage gemessen. Natürlich kann man auch andere Intervalle nehmen, allerdings bin ich nicht an klassischem Daytrading interessiert, sondern kombiniere die Strategie mit Knock-Out-Zertifikaten.

Mein Anlagehorrizont ähnelt dabei aber einem Daytrader und kann von wenigen Stunden bis zu einer Woche betragen.

Damit eine Aktie für die Strategie in Frage kommt, sollte die EMA200-Linie höher liegen als am Anfang (z.B. vor einem halben Jahr) oder sich idealerweise gerade immer noch im Steigen befinden. Wenn die EMA200-Linie einen Knick nach unten macht, berücksichtige ich die Aktie nicht. Wenn die EMA200-Linie in jüngster Vergangenheit seitwärts verläuft ist das ok, sofern die EMA200-Linie über einen längeren Zeitraum von 6-12 Monaten oder mehr einen Aufwärtstrend zeigt.

Außerdem schaue ich, ob es eine Unterstützungslinie oder einen Widerstand gibt, der durchbrochen wurde oder von dem der Aktienkurs abgeprallt ist. Hat eine Aktie beim aktuellen Aktienkurs oder darunter mehrere male eine Unterstützung erhalten, wird diese Unterstützung wahrscheinlich auf in Zukunft halten. Durchbricht eine Aktie einen Widerstand, ist das oft der Auftakt eines größeren Kursanstiegs.

Aktien für Strategie mit Screener finden

Jetzt suchen wir mit einem Aktienscreener (wie z.B. Tradingview) nach Kandidaten für unsere Strategie. Damit wir nicht viel Zeit mit unpassenden Aktien verschwenden setzen wir die Filtereinstellungen folgendermaßen:

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  1. Änderung seit Open „0.5%“: Wir wollen nur Aktien, die am heutigen Tag mindestens 0.5% Gewinn gemacht haben. Das ist ein Signal dafür, dass der Abwärtstrend vorbei sein könnte.
  2. Exponential Moving Average 200 „über zuletzt“: So sehen wir nur Aktien, deren Kurs aktuell unterhalb der EMA200-Linie liegen. Dazu geben wir die Bedingung „Above or Equal“ im Zeitraum „Last“ ein.
  3. Jährliche Performance „über 5%“: Damit stellen wir sicher, dass der langfristige Trend positiv ist.

Wir gehen dann die Aktiencharts aller Kandidaten manuell durch und schauen, welche Aktien wirklich folgende Kriterien erfüllen:

  • EMA200 steigender Trend
  • Kurs unter EMA200-Linie
  • Unterstützung erreicht und nicht durchbrochen
  • Steigender Kurse in mindestens zwei aufeinander folgenden Tagen. (grüne Kerzen)

Bestes Beispiel dafür war die Aktie von Anglo American.

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1. Die EMA200-Linie zeigt einen Anstieg von links unten nach rechts oben
2. Der Kurs ist unter der EMA200-Linie und hat mit der gelben Linie eine Unterstützung gefunden
3. Die Aktie steigt bereits wieder seit einigen Tagen mit mehreren grünen Haikin-Ashi-Kerzen in Folge

Dabei hat der Aktienkurs der Anglo-American-Aktie die EMA200-Linie von unten nach oben durchkreuzt.

Ich habe am Freitag, 24.09.2021 kurz vor Börsenschluss insgesamt 24 Aktien in Deutschland und Frankreich mit diesen Kriterien gefunden.

EMA200-Strategie mit Knock-Out-Zertifikaten

Ich nutze Knock-Out-Zertifikate mit einem Hebel von 10, um bei einem Prozent Kursanstieg 10% zu profitieren.

Ich habe mir also 24 Knock-Out-Zertifikate zu je 1000 Euro der folgenden Aktien gekauft, also 24.000 Euro in Summe. Bereits am Montag morgen in den ersten beiden Handelsstunden haben sich die Aktien sehr positiv entwickelt.

ERGEBNIS NACH 2 HANDELSSTUNDEN

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In der Summe haben die Aktien 18,62% Gewinn gemacht, was im Schnitt 0,77% pro Aktie sind. Mit einem 10er-Hebel meiner Knock-Out-Zertifikate sind das +7,7% Gewinn pro Aktie in nur 2 Stunden.

Auf die gesamt Investition von 24.000 Euro bedeutet das einen Gewinn von +1848 Euro.

Ich habe diese Zertifikate allerdings noch nicht verkauft, sondern warte bis Börsenschluss um 17:00 Uhr, wie sich der Kurs bis dahin entwickelt.

ERGEBNIS NACH EINEM HANDELSTAG

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Nach einem Handelstag beträgt der prozentuale Zuwachs insgesamt stolze +34,84% und damit +1,45% pro Aktie. Mit einem 10er-Hebel bedeutet das einen Gewinn von 14,50%, was auf die Investition von 24.000 Euro ein Gewinn von +3.484 Euro ist.

Durch das Abwarten eines ganzen Handelstages haben wir den Gewinn damit um +1636 Euro bzw. +88% gesteigert.

Am nächsten Tag wurde es allerdings nicht besser, sondern der komplette Gewinn wurde wieder abgegeben. Hier zeigt sich, dass es am besten gewesen wäre alle Positionen direkt nach einem Handelstag zu verkaufen, wenn man im Plus ist.

WIE LANGE SOLLTE MAN DIE POSITIONEN HALTEN?

Die entscheidende Frage ist, wann man eine Position verkaufen sollte. In diesem Beispiel wäre ich bereits nach zwei Stunden mit einem ordentlichen Gewinn zufrieden gewesen.

Durch einen vorschnellen Verkauf kann man allerdings die Gewinne beschränken, was bei Strategien langfristig zu Verlusten führen kann.

Deswegen betrachten wir die gekauften Aktien in verschiedenen Zeitlichen Abständen:

  • Nach 2 Stunden: +1.848 Euro (+7,7%)
  • Nach einem Tag: +3.484 Euro (+14,50%)
  • Nach zwei Tagen: 0 Euro (0%)

Weitere Positionen am 27.09.2021

Um zu testen, ob die Ergebnisse nach dem ersten Tag nicht nur Glück oder eine Eintagsfliege waren, suche ich nach Börsenschluss am 27.09.2021 nach weiteren Aktien, die meinen Kriterien der EMA200-Strategie entsprechen.

Ich nehme dazu nur britische Aktien, da diese in einem schwierigen Marktumfeld sind. Dabei nehme ich dann den FTSE100 der Londoner Börse als Maßstab. Dieser hat in den letzten 12 Monaten zwar 19,2% Gewinn gemacht, allerdings in den letzten 3 Monaten -0,1% Verlust. Der Dax kommt in diesem Zeitraum auf nicht wesentlich bessere +21% und +0,1% und der Französische CAC40 auf +37,3% in 12 Monaten und +1,4% in den letzten 3 Monaten.

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Für folgende 21 britische Aktien kaufe ich dann Knock-Out-Zertifikate mit Hebel 10:

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Diese Picks waren insgesamt ein richtiger Griff ins Klo. Denkbar unglückliches Timing, denn am Dienstag, 28. September 2021 rauschten alle Aktienmärkte 1-3 % in die Tiefe.

Meine Aktienpicks machten nach dem ersten Handelstag einen Verlust von -2,3%, was bei je 1000 Euro pro Position mit 10er-Hebel einen Gesamtverlust von 5.000 Euro bedeutet. Ich lasse die Positionen laufen und hoffe, dass sich die Märkte in den nächsten Tagen wieder in die andere Richtung entwickeln.

EMA200-Strategie Musterdepot #3

In meinem dritten Musterdepot sammle ich am Mittwoch, 29.09.2021 nach Börsenschluss insgesamt 16 europäische Aktien ein, die an diesem Tag einen Gewinn eingefahren haben, aber immer noch unter der EMA200-Linie sind.

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HINWEIS ZUR EMA200-Strategie

Achtung: Dieses Experiment bedeutet nicht, dass diese EMA200-Strategie wirklich funktioniert! Es könnte auch einfach nur Glück gewesen sein, weil die Märkte allgemein nach dem Wochenende oder der Bundestagswahl in Deutschland positiv reagieren. Allerdings war dieser Montag, der 27.09.2021 gar kein besonders guter Tag für den DAX (+0.27%) und den EuroStoxx50 (+0,17%). MDax (-0.02%) und TecDax (-1,46%) machten sogar kleine bis mittlere Verluste.

Da alle meine 24 Aktien-Picks aus diesen Indizes stammten, überrascht mich das sehr gute Ergebnis doppelt und muss weiteren Tests standhalten.

Wenn man die verschiedenen Abstände und Erträge vergleicht, muss man auch berücksichtigen, dass für Knock-Out-Zertifikate Haltekosten pro Tag entstehen. Die Kosten pro Tag belaufen sich über den Daumen gepeilt auf rund 0,50 Cent je 1000 Euro. Bei 24.000 Euro fallen also pro Tag 12 Euro an Gebühren an. Nach einer Woche sind das bereits 60 Euro an Haltekosten, was im Vergleich zu den 24.000 Euro allerdings nur 0,25% entspricht.

Zusätzlich sollte man natürlich die Kosten für die Transaktionen berücksichtigen. Bei Trade Republic sind das gerade mal 2 Euro pro Position (1 Euro für Kauf und 1 Euro für Verkauf). Wir haben also Ausgaben von 48 Euro, was unsere Rendite genau um -0,2% schmälert.

Bei anderen Brokern können die Gebühren wesentlich höher sein. Es kann schon vorkommen, dass man wegen einem hohen Hebel Gebühren von umgerechnet -5% Rendite aufholen muss.

Man sollte auch berücksichtigen, dass Kapital gebunden ist und nicht arbeiten kann, wenn man es länger investiert.

Deswegen muss man abschätzen, ob man mit einem Gewinn von 7,7% nach 2 Stunden nicht besser fährt als mit etwas mehr nach ein paar Tagen.