Aktie-Strategie: Kaufe das Gerücht, verkaufe die News

Die „Kaufe das Gerücht, verkaufe die Nachricht“-Strategie basiert darauf, dass ein Gerücht oft für mehr Kursanstiege sorgt als die tatsächliche Nachricht. Wir zeigen, wie man mit dieser Strategie Profit machen kann.

Gerücht-News-Strategie

Die Gerücht-News-Strategie wurde in verschiedenen wissenschaftlichen Studien untersucht wie in „Angst und Gier“ von Ivo Jansen.

1. Hype erkennen

Die Erwartung eines Deals kann mehr Kursbewegungen auslösen als der tatsächliche Deal selbst.

Zum Beispiel könnte man eine Penny-Stock-Aktie kaufen, wenn es Gerüchte gibt, dass das Unternehmen mit einem großen Unternehmen wie Google zusammenarbeitet.

In solchen Fällen sollte man die Aktien nicht lange halten, weil Gerüchte ziemlich schnell platzen können.

Auch Unternehmensankündigungen zu einem Ergebnisbericht in wenigen Tagen können den Aktienkurs nach oben treiben. Die Anleger erwarten positive Nachrichten. Man könnte also vor der Bekanntgabe der Ergebnisse die Aktie kaufen und vor Bekanntgabe der Ergebnisse wieder verkaufen. Es könnte alles Mögliche passieren. Selbst mit guten Nachrichten wäre ein Abverkauf möglich.

2. Vorausdenken

Viele Trader schauen nur auf ein oder zwei Indikatoren, wie z.B. gute Gewinne oder Rekordwachstum. Deswegen sollte man bei Quartalsberichten und Telefonkonferenzen genau hinhören, wenn von möglichen Problemen die Rede ist.

Kleine Kommentare, zukunftsgerichtete Aussagen und Erwartungen, können einen negativen Einfluss auf den Kurs haben. Es geht nicht nur um Rekordgewinne oder die Schlagzeilen im Moment sondern vor allem in Zukunft.

3. Schnell reagieren

Vielleicht kennst du den Spruch „Greife nicht ins fallende Messer“. Kaufe nicht, wenn ein Kurs fällt. Warte, bis sie einen Boden gefunden hat und wieder ins positive dreht.

Es ist besser zu reagieren als ins Blaue zu raten zu falsch zu liegen.

Das betrifft sowohl steigende als auch fallende Kurse.

Anders rum gilt das auch bei steigenden Kursen. Wenn eine Aktie durch einen Hype in die Höhe schnellt, springt man kurz ein und nimmt den Kern der Bewegung mit und verkauft, wenn sich der Anstieg verlangsamt oder sogar umkehrt.

Wichtig ist allerdings, dass man nicht erst einsteigt, wenn die Party vorbei ist. Deswegen ist eine schnelle Reaktion wichtig.

Wie findet man Aktiengerüchte?

Sie können Aktiengerüchte überall finden. Auf Twitter und Reddit wimmelt es nur so von Aktiengerüchten. Aber ich persönlich mag es, potenzielle Trades mit StocksToTrade’s Breaking News Chat Add-on zu finden. Die Wall Street-Profis, die diesen Chatroom betreiben, sind sehr schnell, wenn es um Gerüchte geht, die Aktien bewegen können.

Wer kauft, wenn jeder Aktien verkauft?

Normalerweise kaufen Anfänger Aktien nach guten Nachrichten. Die guten Nachrichten sind zu diesem Zeitpunkt allerdings schon in großem Umfang im Aktienkurs eingepreist. Erfahrene Trader kaufen normalerweise schon bevor die Nachricht veröffentlicht wurde und verkaufen vor Veröffentlichung der Nachricht oder wenn sich der Aktienkurs nicht mehr nach oben entwickelt.

Umkehrschluss: Aktien shorten beim Hype

Aktien können aufgrund von Spekulationen und Gerüchten große Kursspitzen erleben. Oft überwiegt der Kursanstieg des Hypes die Reaktion auf tatsächliche Nachrichten.

Gab es vor einer Nachricht einen ungewöhnlich starken Kursanstieg, kann die Nachricht selbst nicht mehr viel mehr bewirken. Die Gegenbewegung wird früher oder später kommen, wie es ich bereits in meinem Artikel über Hype-Aktien mit dem Gardner-Hype-Cycle erklärt habe.

Wenn der Hype zu Ende ist und der Aktienkurs fällt, kann man mit Knock-Out Zertifikaten mit einem Hebel um ein Vielfaches von fallenden Kursen profitieren. Ich kaufe meine Knock-Out Zerfitikate bei OnVista, weil man eine große Auswahl an Zertifikaten und geringe Gebühren hat.

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Aktuelle Beispiele aus dem wirklichen Leben

Tesla ist ein klassisches, sich wiederholendes Beispiel für das Phänomen von „Kaufe das Gerücht“.

Wenn wir uns die Ankündigungen, die erwarteten Gewinne oder Events ansehen, stellen wir fest, dass hier oft große Erwartungen im Vorfeld den Aktienkurs nach oben getrieben haben.

Nehmen wir zum Beispiel die jüngste Nachricht über den Aktiensplit. Die Aktie ist seit der Ankündigung des Aktiensplits ziemlich stetig gestiegen. Je näher der Aktiensplits rückt, desto schwächer wird die Aufwärtsbewegung.

Der Aktiensplit findet Ende August statt. Wir werden sehen, wie sich der Kurs bis dahin entwickelt.

Die Tesla-Aktie bewegt sich bei einem „Gerücht“ oder einer Ankündigungen nach oben bis etwa eine Woche vor dem eigentlichen Ereignis. Dann beginnt eine entgegengesetzte Bewegung zu nehmen, bevor das eigentliche Ereignis eintritt.

Ein Beispiel dafür ist TSLAs bevorstehender Batterie-Tag am 22. September. Das heißt, die 3 Wochen zwischen Aktiensplit Ende August und dem Batterie-Tag könnten sehr wohl ausreichen, damit wir dieses Phänomen zweimal hintereinander erleben können. Oder Tesla auf einer Welle der Euphorie zu einer neuen Rekordmarke getragen wird.

GPVRF ist ein weiteres aktuelles Beispiel für die Gerücht-News-Strategie.

GreenPower Motor beantragte einen US-Börsengang, was im aktuellen Electro-Mobilitäts-Hype das Naheliegendste war. Als das IPO-Datum näher rückte, stieg die Aktie seit der Ankündigung um mehr als 300%.

Als der IPO anstand fiel die Aktie um 15%.

Der Hype ist mit dem Börsengang schlagartig vorbei und wir sehen den erwarteten Rückgang. So etwas sieht man bei gehypten Börsengängen immer wieder. Zuletzt auch bei Coinbase.

Sobald die GreenPower Aktie an der NASDAQ für Robinhood und andere Privatanleger zum Kauf verfügbar ist, könnte sie einen weiteren wilden Anstieg nach oben erleben.

CORONA-AKTIEN KAUFEN BEI GERÜCHTEN

Für ein allgemeineres Branchenbeispiel für die Gerüchte-News-Strategie muss man sich nur die Corona-Aktien anschauen.

Also Corona-Aktien bezeichnen wir die zahlreichen Biotech-, Pharma-, Videokonferenz-, Heimarbeits-Unternehmen, deren Aktienkurse im Zusammenhang mit COVID19 gestiegen sind.

Es gibt viele Gerüchte, Ankündigungen und Hoffnungen rund um diese Aktien, die ihre Kurse in die Höhe getrieben haben.

So sicher wie die nächste Corona-Welle kommt auch wieder eine neue Gerüchte-Welle zu neuen Impfstoffen.

Aber sobald die tatsächlichen Nachrichten und Ereignisse eintreten und wir das Ende dieses globalen Großereignisses miterleben werden viele dieser Aktien fallen, da die Anleger erkennen, dass der volle optimistische Erfolg bereits eingepreist war. Fallende Kurse komme, wenn die tatsächlichen Geschäftsergebnisse in einer Welt nach Corona veröffentlicht werden. Oder auch schon vorher, wenn Impfstoffe zugelassen werden.

Ein ganz böses Erwachen gibt es dann wie im Fall Curevac, wenn die Impfstoffe nicht so wirksam sind, wie erhofft und sich mit einer Nachricht herausstellt, dass der Aktienkurs viel zu hoch bewertet war.

Zu weiteren Aktien in dieser Kategorie gehören unter anderem

  • MODERNA
  • NOVAVAX
  • TELADOC
  • HOMEDEPOT
  • ZOOM
  • PELETON
  • und das gerade erst voll auf die Schnauze gefallene TEAMVIEWER

GERÜCHT-NEWS-STRATEGIE IM ELEKTRO-MOBILITÄTS-MARKT

Ein weiteres Branchenbeispiel ist der EV-Markt. Da TSLA den Markt dominiert hat, sind zahllose kleine, neue Unternehmen auf den Zug aufgesprungen. Haben neue Elektro-Mobilitäts-Geschäftsbereiche angekündigt, fusionieren mit SPACs und kündigen alles Mögliche an, um einfaches, billiges Kapital zu beschaffen.

Diese Ankündigungen und Gerüchte lassen die Aktienkurse von Elektroauto-Herstellern in die Höhe schnellen. Im Prinzip haben alle Automarken allein durch die Ankündigung Elektro-Autos herstellen zu wollen einen gewaltigen Kursanstieg verzeichnet. VW, Daimler, BMW. Alle machen mit.

Aber bevor die tatsächlichen Nachrichten und Ereignisse eintreten, wird es bereits eine Ernüchterung gegeben haben. Die aktuellen Aktienkurse für Elektroautos haben bereits weit mehr Optimismus eingepreist, als man sich jemals vorstellen kann.

Beispiele in dieser Kategorie sind:

NKLA, OTCQB:GPVRF, VVPR, WKHS, SOLO, FUV, und auch hier geht die Liste weiter und weiter.

In jeder dieser Kategorien wird es einige große Gewinner geben. Aber im Durchschnitt wird sich die Gruppe wahrscheinlich insgesamt zurückziehen, wenn sich die tatsächlichen Ereignisse abspielen.

Außerdem werden sich die Nachrichten und Ereignisse in allen oben genannten Branchenkategorien im Laufe der Zeit abspielen und nicht alle auf einmal.

Die Aktien werden wahrscheinlich schneller fallen als sie gestiegen sind.

Auf den Punkt gebracht: Aktien nehmen die Treppe nach oben und fahren mit dem Fahrstuhl nach unten.