Kreuzfahrt-Aktien: Umweltsünde oder Anlage-Chance?

Wir sind bei Trendbetter zum Thema Kreuzfahrt-Aktien geteilter Meinung. Die Einen behaupten, dass Kreuzfahrt-Aktien kurstechnisch viel Potential haben und man mit Aktien der größten Kreuzfahrt-Unternehmen vom weltweiten Kreuzfahrt-Boom profitieren kann. Die Anderen behaupten, dass Kreuzfahrten eine Umweltsünde sind und verboten gehören. Erschwerend hinzu kommt, dass der Corona-Virus die Branche härter trifft als viele andere.

Aktuelle Nachrichten vom 16. März 2021 zeigen, das Kreuzfahrt-Anbieter beginnen die für Juni geplanten Kreuzfahrten zu stornieren. (Quelle: Fool.com)

Wir werden in diesem Artikel versuchen uns objektiv den Fakten zu nähern.

WELCHE KREUZFAHRT-AKTIEN GIBT ES?

Den Weltmarkt der Kreuzfahrten teilen größtenteils wenige Anbieter unter sich auf. In folgende Kreufahrt-Aktien kann man investieren:

  • Royal Caribbean Cruises
  • Norwegian Cruises
  • Carnival Cruises (dazu gehört AIDA)

Alle drei Aktien entwickeln sich seit der Corona-Pandemie fast identisch. Steigen und fallen zusammen.

Sobald eine Nachricht über Öffnungen herauskommt, steigen die Kreuzfahrt-Kurse in der Hoffnung auf Buchungen.

Sobald die negative Nachrichten eine baldige Reise-Wut relativieren, sinken die Aktienkurse der Kreuzfahrer wieder.

ROYAL CARIBBEAN CRUISES REALTIME KURS

finviz dynamic chart for  RCL

NORWEGIAN CRUISE LINES REALTIME KURS

finviz dynamic chart for  NCLH

Norwegian Cruise Lines gab am 17.3.2021 bekannt, dass es einige der bis Ende Juni geplanten Kreuzfahrten stornieren werde.

CARNIVAL CRUISES REALTIME KURS

finviz dynamic chart for  CCL

Am 17.3.2021 wurde bekannt, dass das Tochterunternehmen Princess sein Alaska-Kreuzfahrten bis Juni stornieren wird.

Das bringt Carnival um bitter benötigte 390 Millionen Dollar, die Princess 2019 eingenommen hatte. Ein kleiner Teil des Gesamtumsatzes von Carnival, jedoch in der aktuellen Situation doppelt schmerzhaft.

Für die Aktienkurse der Kreuzfahrtanbieter bedeutet das, dass sie jetzt auf einem Höchststand erstmal einen Rückschlag erhalten.

KREUZFAHRT-AKTIEN IN DER CORONA-PANDEMIE

Die Betreiber von Kreuzfahrtschiffen gehören zu den Branchen, die am stärksten von der Coronavirus-Pandemie betroffen sind. Es hat sich Stand März 2021 noch nicht wirklich etwas an der schlechten Situation geändert.

Dennoch haben die Aktien der Kreuzfahrt-Anbieter in den letzten Monaten einige der größten Erholungen erlebt.

Die Aktien des Sektors legten zu.

Die einfachste Erklärung für den Kursanstieg ist, dass die Kreuzfahrtindustrie am meisten von einer Rückkehr zu normaleren Bedingungen profitieren wird.

Je mehr Geschäfte wieder öffnen, desto mehr Menschen erwarten, dass alles wieder so wird, wie es vor der Pandemie war. Dazu gehört auch, dass man wieder wie Kreuzfahrturlaube machen kann.

In der Tat haben die Investoren die Kreuzfahrtunternehmen extrem unterstützt. Norwegian, Carnival und Royal Caribbean haben sich an die Kapitalmärkte gewandt, um die Zeit der Betriebsunterbrechung zu überbrücken.

Die angebotenen Aktien und Anleihen wurden im Allgemeinen gut gezeichnet.

Royal Caribbean gab bekannt, dass sie dreijährige traditionelle Anleihen und Wandelanleihen ausgeben werden, mit der Erwartung, bis zu $2 Milliarden einzunehmen.

ABER: Werden Kreuzfahrten jemals wieder zur Normalität zurückkehren?

Doch obwohl die Kreuzfahrtindustrie einige positive Anzeichen zu verzeichnen hat, musste sie sich auch mit Herausforderungen auseinandersetzen, die viel länger andauern könnten, als einige Investoren realisieren.

Einige Leute sind nicht von der Hausse der Kreuzfahrtunternehmen überzeugt.

Die Analysten von Morgan Stanley sind der Meinung, dass die Aktien viel zu schnell gestiegen sind, vor allem angesichts der besonderen Herausforderungen, denen sich die Kreuzfahrtindustrie gegenübersieht.

Obwohl Flugreisen immer beliebter werden und die Auslastung von Hotels steigt, glaubt Morgan Stanley, dass Kreuzfahrtgesellschaften die letzte Nische der Reisebranche sein könnten, die ihre Türen wieder öffnet und den Betrieb wieder aufnimmt.

KREUZFAHRTEN ALS GEFAHR FÜR DIE GESUNDHEIT

Was gegen eine langfristige Investition in Kreuzfahrt-Aktien spricht, ist der schlechte Ruf in Sachen Gesundheit und Umwelt.

„Schiffsabgase sind tödlich“ – WHO-Studie belegt: Rußpartikel verursachen Krebs

https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/verkehr/schifffahrt/01234.html

Laut einer Studie der Welt-Gesundheits-Organisation WHO sterben jährlich 50.000 Menschen an Schiffsabgasen. Hautverantwortlich dafür sich die Frachtschiffe, was die erhöhte Belastung an Schadstoffen auf einer Kreuzfahrt nicht ignorieren kann.

Denn die Kreuzfahrtschiffe liegen mit laufenden Motoren in Hafenstädten und sind somit eine Gefahr für die Gesundheit der Anwohner und Passagiere.

Nach Berechnungen des NABU stößt ein einziges Kreuzfahrtschiff so viele Luftschadstoffe aus wie fünf Millionen Pkw.

Nabu.de

Deswegen haben die Regierungen schon während der Corona-Krise ein besonderes Augenmerk auf den Betrieb legen.

Auf die Kreuzfahrt-Anbieter kommen in den nächsten Jahren einige gravierende Veränderungen hinzu.

Kanada zum Beispiel hat Kreuzfahrten in seinen Hoheitsgewässern bis Ende Oktober verboten.

Erst heute teilte Carnival mit, dass es die Aussetzungsdaten für Fahrten von Australien und Taiwan sowie von Kanada aus verlängern wird.

Dennoch hoffen die Kreuzfahrtunternehmen, dass die USA mehr Nachsicht zeigen werden. Allerdings ist hier auch nicht mehr Klimawandel-Leugner Trump der Präsident, sondern der wesentlich umweltliebendere Joe Biden.

Trotz des anhaltenden Fahrverbots durch die US-Amerikanische Centers for Disease Control and Prevention hoffen die Kreuzfahrtgesellschaften, bis Mitte des Sommers in begrenztem Umfang fahren zu können.

Auf eine Hoffnung zu spekulieren ist allerdings nicht unbedingt die seriöseste Anlage-Entscheidung.

KREUZFAHRTEN ALS KLIMAKILLER

Ein Kreuzfahrtschiff …

  • fährt mit giftigem Schweröl

stößt pro Tag…

  • soviel CO2 aus wie 421.000 Autos
  • soviel Feinstaub wie 1 Million Autos
  • soviel Schwefeldioxid wie 376 Millionen Autos

Die Partikelbelastung auf einem Kreuzfahrtschiff ist 200 x höher als in natürlicher Luft.

2018 gab es laut NABU-Kreuzfahrtranking nur ein einziges Schiff von 76 untersuchten Schiffen, das nicht mit Schweröl fuhr.

Bis 2030 müssen Schiffe nachweisen, dass sie ihre Effizienz pro Seemeile um 2-3% pro Jahr verbessern können, um die Maßnahmen des Pariser Abkommens einzuhalten. Kreuzfahrtschiffe, die mit Schweröl fahren, was alle bis auf ein Aida-Schiff sind, werden diese Effizienz-Steigerung nicht schaffen.

Alternative Kraftstoffe zum Schweröl müssen spätestens ab 2030 bereit stehen. Das sind noch knapp 9 Jahre Zeit für die Entwicklung und Umrüstung auf Wasserstoff, Gas-Antrieb, Wind- oder Elektro-Energie. Das ist ein kurzes Zeitfenster für eine dermaßen träge Industrie.

Dadurch werden die Preise für Kreuzfahrten in den nächsten Jahren steigen. Die breite Masse wird sich dann nicht mehr eine Karibik-oder Mittelmeer-Kreuzfahrt leisten können oder wollen, da die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie eine weitere Verschärfung der sozialen Ungleichheit befeuert.

Aufgrund moralischer Bedenken werden sich weitere potentielle Kunden in Zukunft gegen diese Umweltsünde entscheiden werden.

Weitere negative Aspekte von Kreuzfahrten wie das Thema Ausbeutung von Mitarbeitern und die direkte „Entsorgung“ von Müll ins Meer findet man auf der Seite bravebird.

FAZIT ZU KREUZFAHRT-AKTIEN

Der Optimismus über die allgemeine wirtschaftliche Wiederbelebung hebt den gesamten Markt, einschließlich der Kreuzfahrtaktien.

Investoren in Kreuzfahrt-Aktien sollten jedoch auf Anzeichen achten, dass diese Unternehmen nicht in vollem Umfang an einer Erholung teilhaben werden. Sowohl kurzfristig wegen der langsameren Rückkehr zur Normalität, als auch langfristig wegen der Hürden im Bereich Klimaschutz.

Als Anleger müssen sich der Möglichkeit bewusst sein, dass Kreuzfahrten vielleicht nie wieder so aussehen werden wie vor dem Ausbruch der Seuche. Daher ist eine Investition in Kreuzfahrt-Aktien ein großes Risiko und vor allem auch eine moralische Frage.

Wer das ähnlich sieht kann es machen wie ich:

Kreuzfahrt-Aktien: Umweltsünde oder Anlage-Chance? - Trendbetter.de - Aktien & Börse
  1. Kreuzfahrt-Aktien shorten
  2. Petition von change.org zum Verbot von Kreuzfahrtschiffen unterzeichnen
  3. 20 Euro dafür spenden, dass die Petition eine größere Reichweite bekommt
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