Porsche IPO – Alle Infos zum größten Börsengang 2022

Der Volkswagen Konzern wird mit dem Porsche IPO beim größten Börsengang 2022 die Aktie des Sportwagen-Herstellers an die Börse bringen. Alle Infos dazu in diesem Artikel!

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Bei der Vorstellung der Grundzüge des geplanten Börsengangs von Porsche in der vergangenen Woche betonten Führungskräfte der Muttergesellschaft Volkswagen AG, dass der Börsengang, der wahrscheinlich einer der größten in Europa überhaupt sein wird, “allen Interessengruppen zugute kommt”.

Obwohl der komplizierte Plan für die institutionellen Anleger von VW interessant ist, besteht sein auffälligstes Merkmal darin, dass er dem Hauptaktionär des Unternehmens – einer Finanzholding, die von den Familien Porsche und Piech kontrolliert wird – dabei helfen soll, wieder direkte Eigentumsrechte an Porsche, seinem ganzen Stolz, zu erlangen. Seit der Ankündigung des Börsengangs am Dienstag hat die verwirrend benannte familienkontrollierte Porsche Automobil Holding 11 % zugelegt, während die VW-Aktie um 2 % gestiegen ist. Diese Divergenz deutet auch darauf hin, wer das bessere Geschäft macht.

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Eine stärkere Beteiligung der Familie an Porsche ist nicht unbedingt etwas, das Anleger begrüßen sollten. Und im Vergleich zu einer einfacheren Abspaltung der Tochtergesellschaft könnten der bescheidene Streubesitz von 12,5 % und die vorgeschlagene Zwei-Klassen-Aktienstruktur die potenzielle Bewertung des 911-Herstellers beeinträchtigen.

Der Börsengang ist “clever strukturiert”, wirft aber Bedenken hinsichtlich der Unternehmensführung auf, so Jefferies-Analyst Philippe Houchois gegenüber Kunden.

Das ist zwar nicht ganz der saubere Schnitt, den sich die VW-Investoren erhofft hatten, aber es ist der einzige Deal, der die mächtigen Interessengruppen des Unternehmens, darunter das deutsche Bundesland Niedersachsen und die Arbeitnehmervertreter, zufrieden stellen dürfte. Eine typische VW-Mogelpackung ist besser als gar kein Porsche-Börsengang.

Zur Erinnerung: VW plant gegen Ende des Jahres den Verkauf eines 25-prozentigen Anteils an Porsche, der zu gleichen Teilen in stimmrechtslose Vorzugsaktien und stimmberechtigte Stammaktien aufgeteilt ist. Allerdings wird nur die Familienholding stimmberechtigte Aktien erwerben dürfen.

Wenn Porsche mit etwa 80 Milliarden Euro (89,7 Milliarden Dollar) bewertet wird, müssen die Familien etwa 10 Milliarden Euro aufbringen, um ihren Anteil zu bezahlen. Es ist also kein Zufall, dass VW plant, die Hälfte des IPO-Erlöses als Dividende auszuschütten.

Sollte dies der Fall sein, könnte die Porsche SE ihren Anteil zur Deckung eines Teils ihrer Schulden verwenden.

Die Porsche SE besitzt 31 % des VW-Aktienkapitals und die Mehrheit der Stimmrechte.

Natürlich steht es VW frei, die andere Hälfte des Erlöses zu verwenden, um die Entwicklung von Elektrofahrzeugen und Software zu beschleunigen. Aber das Unternehmen ist bereits reichlich liquide und hat keinen dringenden Bedarf an dem Geld. Vor allem die Arbeitnehmervertreter hatten keine Probleme, sich einen Teil des Erlöses zu sichern – einen Bonus von 2.000 Euro für jeden deutschen Arbeitnehmer.

Was bringt der Porsche-Börsengang der VW-Aktie?

Das soll nicht heißen, dass dieses Geschäft für VW-Investoren nichts bringt. Der Börsengang trägt nicht nur dazu bei, den Wert des riesigen Markenportfolios des deutschen Konzerns zu steigern – ein eigenständiger Porsche-Konzern könnte fast so viel wert sein wie der gesamte VW-Konzern heute -, sondern gibt VW auch die Möglichkeit, sich in Zukunft Geld zu beschaffen.

Porsche wird wahrscheinlich zu einem weitaus höheren Kurs-Gewinn-Verhältnis als VW gehandelt und stellt somit eine günstige potenzielle Finanzierungsquelle dar.

Die Porsche SE hat sich auch bereit erklärt, 7,5 % mehr als Ausgleich für die Stimmrechte zu zahlen. Es ist schwer zu sagen, ob diese Prämie ausreichend ist; schließlich liegt der Kurs der VW-Stammaktien mehr als 30 % über dem der stimmrechtslosen Vorzugsaktien.

Für die Porsche SE ist dies finanziell sehr vorteilhaft, denn sie könnte, wenn sie möchte, einen Teil ihrer VW-Beteiligung verkaufen und damit die Schulden, die sie beim Börsengang aufnehmen muss, reduzieren.

Dies ist ein Beispiel für die potenziellen Interessenkonflikte, die mit einer solchen Transaktion verbunden sind. Auch wenn der Wert von Porsche letztlich von der Börse bestimmt wird, sollte man nicht vergessen, dass die Porsche SE ein Interesse daran hat, Aktien billig zu erwerben, während VW einen möglichst hohen Wert anstreben sollte.

Vielmehr stellt sich die Frage, warum die Porsche SE überhaupt das Exklusivrecht zum Erwerb von Stimmrechtsaktien erhalten hat.

Porsche wollte VW 2008 übernehmen

Zwar besaßen die Familien vor mehr als einem Jahrzehnt alle stimmberechtigten Aktien des Porsche-Autogeschäfts, aber sie selbst haben dieses Geburtsrecht verspielt.

Im Jahr 2008 ging der geheime und hoch fremdfinanzierte Versuch von Porsche, den viel größeren VW-Konzern zu übernehmen, katastrophal schief.

Während Porsche am Rande des Bankrotts stand, kaufte VW den Sportwagenhersteller schließlich für rund 8 Milliarden Euro, ein Preis, der heute wie ein unglaubliches Schnäppchen erscheint. Damals behaupteten jedoch prominente Investoren, VW habe zu viel für Porsche bezahlt, um den Familien aus der Patsche zu helfen.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Porsche im Jahr 2008 hoffte, seine aggressive Übernahme von VW durch den Zugriff auf die Barmittel von VW finanzieren zu können.

Jetzt wird VW einen Teil seines Geldes dafür einsetzen, dass die Familien einen Teil von Porsche zurückkaufen können. Bei Volkswagen, wie auch anderswo, wiederholt sich die Geschichte nicht, aber sie reimt sich oft.

Wenigstens bekommen die Niedersachsen laut Handelsblatt keine Porsche-Aufsichtsratssitze, was eine Verbesserung gegenüber der komplexen VW-Governance darstellt.

Der wirtschaftliche Anteil der Familien Porsche an VW beträgt rund 15,5 Prozent, weil sie die Hälfte der Aktien der Porsche SE besitzen.Die Möglichkeiten des VW-Konzerns, mehr Kapital zu beschaffen, sind begrenzt, da die Ausgabe von Vorzugsaktien auf 50 % begrenzt ist.

Es ist schwer zu erklären, warum der Preisunterschied zwischen VW-Stamm- und Vorzugsaktien anhält. Sie vergrößerte sich im vergangenen Jahr, als Kleinanleger, die von der Elektrifizierungsstrategie von VW begeistert waren, zu kaufen begannen, möglicherweise ohne zu wissen, dass es zwei Aktiengattungen gibt. Aber inzwischen sollte die Lücke ausgeglichen sein. In jedem Fall haben sich die Architekten dieses Deals entschieden, sie zu ignorieren.