Timing: Aktien verkaufen bei guten Nachrichten

Sie kennen wahrscheinlich das Sprichwort „Sell on Good News“. Händler treiben Aktienkurse aufgrund von Gerüchten oder Erwartungen in die Höhe und verkaufen, sobald die Nachricht veröffentlicht wurde – selbst wenn die Nachricht positiv ist. Dieses Phänomen kann einer von vielen Gründen sein, warum eine Aktie bei guten Nachrichten fallen kann und wird oft bei Aktien beobachtet, die Gewinnberichte veröffentlichen.

BMW-Aktie verkaufen bei guter Nachricht

Am 6. Juli 2021 hat BMW verkündet, dass das Unternehmen einen Rekordabsatz an Autos erzielt hat!

Eine Super-Nachricht! Oder doch nicht?

Man könnte erwarten, dass so eine gute Nachricht dafür sorgt, dass die BMW-Aktie von vielen neuen Investoren gekauft wird und einen Freudensprung nach oben macht.

Aber warum fällt die BMW-Aktie dann?

Zum Einen hat BMW gerade zu diesem Zeitpunkt eine fast Milliarden-Strafe vom Kartellamt aufgebrummt bekommen.

Der Verdacht liegt nahe, dass die guten Nachrichten vorgeschoben wurden, um einen dramatischeren Absturz der BMW-Aktie bei der schlechten Nachricht zu verhindern.

Jetzt sind die beiden News in der Welt und die BMW-Aktie konnte von der guten Nachricht des Rekordabsatzes nicht profitieren. Zusätzlich reißt die Milliarden-Strafe den Kurs der Autoaktie nach unten.

Verkaufs-Timing mit guten Nachrichten für K+S Aktie

Besonders schmerzlich spürte ich die Börsenweisheit am eigenen Leib, als die K+S Aktie auf einen Rekordstand seit 2019 kletterte.

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt ein Knock-Put Zertifikat von K+S seit ein paar Tagen mit einem Hebel von 10 seit ein Analyst der Aktie ein Potential von 100% zu getraut hatte – ohne Hebel wohlgemerkt!

Mein Gewinn war zum Zeitpunkt des Höchststandes bei +125%.

Just in diesem Moment begann der Absturz.

Ich sah meinen Gewinn innerhalb von 2 Tagen erst auf 100%, dann auf 50% und jetzt auf 20% schrumpfen.

Immer wieder sagte ich mir: schon ok, die K+S Aktie wird wieder steigen! Ja, vielleicht.

Besser wäre gewesen, ich hätte bei der guten Nachricht die Reißleine gezogen oder spätestens nach einem Stop-Loss von 10-20%, um mit einem starken Gewinn von 100% rauszugehen und wieder einzusteigen, wenn der Abwärtstrend vorbei ist.

Was lernen wir daraus?

Man hätte sich also von der guten Nachricht nicht all zu sehr blenden lassen sollen.

Steigt eine Aktie nach einer guten Nachricht nicht, könnte das ein Zeichen für drohende Verkäufe sein. Die Anleger handeln dann nach der Börsenweisheit „Buy the rumours, sell the News“ oder getreu dem Motto man soll aufhören, wenn’s am Schönsten ist.“

Warum fallen Aktienkurse bei guten Nachrichten?

Im Allgemeinen kann es also mehrere Gründe geben, warum eine Aktie bei guten Nachrichten fallen kann.

Gewinnberichte

Börsennotierte Unternehmen sind von der Securities and Exchange Commission (SEC) verpflichtet, viermal im Jahr vierteljährlich über die Ergebnisse zu berichten.

Dies sorgt zwar für ein hohes Maß an Transparenz, kann aber auch zu einer Anhäufung von Gerüchten führen, da zwischen den einzelnen Veröffentlichungen eine dreimonatige Lücke besteht.

Darüber hinaus beeinflussen erhebliche Abweichungen von den Erwartungen oder drastisch überraschende Ankündigungen auch den Kurs einer Aktie.

Als Wissenschaft basiert die Modellierung des Kurses einer Aktie stark auf den geschätzten Erwartungen und den tatsächlichen Ergebnissen, die Investoren und Analysten für die Gewinne und Cashflows des Unternehmens haben, sowohl jetzt als auch in der Zukunft.

Wenn ein Unternehmen einen Gewinnbericht veröffentlicht, ist eine fundamentale Reaktion oft die üblichste.

So können gute Gewinne, die hinter den Erwartungen zurückbleiben, zu einer Herabstufung des Wertes führen.

Wenn ein Unternehmen einen Gewinnbericht herausgibt, der die Erwartungen der Anleger und Analysten nicht erfüllt, fällt der Aktienkurs in der Regel.

Es können auch andere Situationen rund um die Erträge auftreten. Nehmen wir zum Beispiel an, dass Analysten erwarten, dass die XYZ Corp. einen Gewinn pro Aktie (EPS) von 0,75 Dollar ausweisen wird.

Angenommen, das Unternehmen gibt einen Gewinn pro Aktie von $0,80 bekannt und übertrifft damit die Erwartungen um 6,7 %, doch die Anleger reagieren mit dem Verkauf von Aktien. Obwohl die Nachricht „gut“ war, haben die Anleger vielleicht mehr erwartet.

Wenn das Unternehmen beispielsweise in der Vergangenheit die Schätzungen noch mehr übertroffen hat, könnte diese relativ geringe Steigerung als Enttäuschung angesehen werden. In diesem Szenario könnten die Anleger auch ihren Appetit auf die Aktie verringern, was zu einem niedrigeren Kurs-Gewinn-Verhältnis führt.

Mit jedem Gewinnbericht geben die Unternehmen in der Regel auch einen Ausblick auf die Zukunft. Zukünftige Prognosen sind auch ein wichtiger Faktor für die fundamentale Bewertung. Die Zukunftsprognose gibt Anlegern und Analysten Aufschluss über das vom Management prognostizierte zukünftige Wachstum sowie über neue Entwicklungen.

Ein Unternehmen kann Ergebnisse veröffentlichen, die den Markterwartungen entsprechen oder sie sogar übertreffen.

Damit können auch Revisionen der zukünftigen Schätzungen verbunden sein, die die Bewertung beeinträchtigen können. Jegliche Abwärtskorrekturen in Bezug auf zukünftige Umsätze, Gewinne oder Cashflow könnten für Zweifel am Wert der Aktie sorgen. Anleger verkaufen ihre Anteile, so dass der Aktienkurs fällt.

Angebot, Nachfrage und Handel

Die Hypothese des effizienten Marktes besagt, dass die Märkte auf der Grundlage ihrer Fundamentaldaten effizient bewertet werden.

Unabhängig von den Fundamentaldaten einer Aktie kann es jedoch immer wieder vorkommen, dass ein Unternehmen die Erwartungen der Analysten erfüllt oder sogar übertrifft, dnn eine solide Prognose abgibt und der Aktienkurs trotzdem fällt. Wenn dies geschieht, können Angebot, Nachfrage und Handelsfaktoren der Auslöser sein. 

Gute oder schlechte Nachrichten über ein Unternehmen führen oft zu kurzfristigen Aktienkursänderungen und höherer kurzfristiger Volatilität.

Je geringer die Marktkapitalisierung einer Aktie, desto größer ihre Volatilität.

NOISE TRADER

Eine weitere mögliche Erklärung für einen Verkauf nach guten Nachrichten kann mit Noise Tradern zusammenhängen. Damit bezeichnet man Privatanleger, aber auch technische Analysten. Noise Trader analysieren nicht die Fundamentaldaten eines Unternehmens, sondern handeln aufgrund von Nachrichten, Indikatoren der technischen Analyse oder Trends.

Noise Trader werden oft als impulsiv angesehen und können auf gute oder schlechte Nachrichten überreagieren.

Wenn also eine Aktie nach einem positiven Gewinnbericht fällt, könnten Noise Trader aufspringen und die Abwärtsbewegung verstärken.

Bekanntestes Beispiel von Noise Tradern ist die Reddit Community Wallstreet Bets, die 2021 für extreme Kursanstiege bei Gamestop und AMC sorgten.

Wirtschafts- und Brancheneinflüsse

Externe Einflüsse können grob in Makro- und Mikrofaktoren unterteilt werden. Makroökonomische Faktoren wie steigende Zinssätze oder eine Marktverschiebung hin zu risikoärmeren Anlagen können dazu führen, dass Aktien auf breiter Front fallen.

Innerhalb des mikroökonomischen Umfelds für einen bestimmten Sektor kann es Entwicklungen geben, die das Wachstum einer bestimmten Aktie oder eines Sektors beeinträchtigen.

Auch das Interesse an einem konkurrierenden Unternehmen innerhalb eines Sektors können den Aktienkurs fallen lassen. Jüngstes Beispiel: Knorr-Bremse.

Hier sorgte der Übernahme-Plan von Hela für einen Kurseinbruch. Als die Übernahme vom Tisch war, machte die Knorr-Bremse-Aktie einen regelrechten Freudensprung.

KURSRÜCKGANG: NACHKAUFEN STATT VERKAUFEN

Beim einem Kursrückgang sollte man ruhig bleiben und sich überlegen: Warum habe ich die Aktie überhaupt gekauft? Will ich sie noch Jahre halten oder ist das jetzt ein Grund auszusteigen?

Wer einen langfristigen Anlagehorrizont hat, kann bei fallenden Aktienkursen seine Position zu einem relativ niedrigen Preis aufzustocken, anstatt mit der Masse zu verkaufen.